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Schleswig-Holstein

Waldbaden in SH: Pure Entschleunigung zwischen Bäumen

Waldbaden

Als wir den abgelegenen Wald im Naturpark Hüttener Berge betreten, fühle ich mich von einem Moment auf den anderen in eine andere Welt versetzt. Es wird ruhiger in meinem Kopf, ich lausche dem Vogelgezwitscher, lasse das Grün der imposanten Buchen auf mich wirken. Es kribbelt ein wenig. Waldbaden: Das ist noch völlig neu für mich. Stand zwar schon lange auf meiner Liste, doch bisher hatte es einfach noch nicht geklappt. Denn so viele zertifizierte Waldbaden-Führer:innen gibt es in Schleswig-Holstein noch nicht. Heute bin ich mit Nils und Katharina von E-motianwald unterwegs. Die gelernte Heilpraktikerin und der Dozent für Gewaltprävention führen mich in die Welt des Waldbadens ein. Sie zeigen mir, wie ich achtsam diese besondere Natur erlebe und erklären, was das Ganze mit meinem Körper macht.

Zunächst einmal: Nein, beim Waldbaden geht man nicht in Schwimmsachen in den Wald und kuschelt mit Bäumen. Es ist vielmehr ein besonders achtsamer, angeleiteter Spaziergang durch diesen einmaligen Lebensraum. Ein Nachmittag, an dem ich mir ganz bewusst Zeit für mich selbst nehmen, an dem ich einfach ins spüren kommen kann. Ein ganz bewusstes Eintauchen in die Waldatmosphäre.

Den Wald mit allen Sinnen erleben

Nach einigen Metern kommen wir erstmal gemeinsam an. Im Kreis aufgestellt, mit dem Rücken zueinander sucht sich jeder einen Punkt, der ihn oder sie besonders anspricht. Die Augen dürfen dann auch geschlossen werden. Wir checken erstmal im Wald ein. Dann reicht Nils einen Gegenstand zum Fühlen herum. Vorsichtig ertaste ich den Tannenzapfen von all seinen Seiten. Behutsam, so viel Zeit nehme ich mir selten, um etwas zu Erfühlen. Die Hektik und der Alltagsstress erlauben solche Momente nicht und ich merke schnell: Heute sollen die verschiedenen Sinne angesprochen werden. Fühlen, Sehen, Hören und Riechen.

Ein Stückchen weiter machen wir an einer alten Kiesgrube Halt, die mit Wasser gefüllt eher an einen kleinen Weiher inmitten des Waldes erinnert. Ein paar Bewegungsübungen mitten in der Natur. Einfach mal die Arme (und die Seele) baumeln lassen. Das tut gut. Tief durchatmen. Die interessierten Blicke der vorbeikommenden Spaziergänger nehme ich kaum noch wahr.

Vertrauensübung im Wald

Waldbaden hilft beim Stressabbau

Wir haben heute Glück, denn der strahlende Sonnenschein lässt die Baumkronen in einem besonderen Glanz erscheinen. Immer wieder kommt das warme Licht durch die Blätter und wir machen Halt, lassen es auf unsere Gesichter scheinen. „Komorebi“ lautet das japanische Wort für die sogenannte Lichtdusche, erklärt Katharina. Der begriff symbolisiert die Liebe der Japaner zur Natur. In dem fernöstlichen Land liegt auch der Ursprung des Waldbadens. In den 80er-Jahren tauchte der Begriff „Shinrin Yoku“ das erste Mal auf. Die Japaner haben eine ganz andere Verbindung zum Wald als wir. Sie sehen in ihm das Göttliche.

Bei unserer Waldbaden-Tour geht es weniger um das Spirituelle, sondern vielmehr um das Wohlbefinden – sowohl um das seelische als auch um das körperliche. Auf beides hat das Waldbaden positive Effekte, erklären Nils und Katharina auf unserer Tour. Das Immunsystem werde gestärkt, Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol abgebaut. „Bei Männern an einem Tag im Wald um zirka 30 Prozent, bei Frauen um bis zu 50 Prozent“, schreibt Prof. Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio. Der Blutdruck soll schon nach nur 15 Minuten im Wald gesenkt werden können. Und das Beste daran: Die positiven Effekte halten lange an. „Bis zu fünf Tage könnt ihr von einem intensiven Waldbad profitieren“, so Katharina.

Bis zu fünf Tage könnt ihr von einem intensiven Waldbad profitieren.

Katharina Hensgens-Hadenfeld
Waldbaden

Wer mag, geht einen Teil der Strecke barfuß durch den Wald. Da bin ich natürlich dabei und haben mir zuvor nur wenig Gedanken darum gemacht, was das in mir auslösen könnte. Ich spüre das warme Laub unter mir, dann wieder den kühleren, leicht matschigen Boden. Ein intensives Gefühl, dem Wald so nah zu sein. Aber so richtig spannend wird es erst, als ich meine Schuhe wieder anziehe. Ganz weich und entspannt fühlen sich meine Füße plötzlich an. Nicht nur mir geht es so. Das macht was mit einem.

Wir gehen auch ein Stück schweigend zwischen den Bäumen hindurch. Jeder darf sich zuvor ein Postkarten mit einem Spruch aussuchen, der sich in diesem Moment richtig anfühlt. Ich entscheide mich für die Worte „Von der Natur inspiriert“. Denn das bin ich nach dieser zweieinhalbstündigen Tour durch diesen besonderen Wald.

Waldbaden
Katharina und Nis sind zertifizierte Waldführer:innen

Die geführten Waldbaden-Touren gibt es bei Nils und Katharina in zwei Varianten: Die kurze Version von zwei bis drei Stunden oder die lange Tour von bis zu fünf Stunden. Bei der letzteren wird auch immer etwas selber aus Holz hergestellt – ihr dürft gespannt sein. Termine findet ihr auf der Webseite der beiden. www.hensgens.org

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Projekt #UnserEnergiewald

Ich unterstütze das Projekt der Stadtwerke Kiel „Neue Wälder für SH“. Foto: Manuel Weber

Wälder sind nicht nur wunderbare Orte der Entschleunigung, sondern auch unglaublich wichtig für den Klimaschutz. Deshalb unterstütze ich auch das Projekt der Stadtwerke Kiel „Neue Wälder für SH“. Das Unternehmen macht sich mit seinem Umweltfonds für die Neuwaldbildung in SH stark. Die erste Waldfläche ist rund 4,5 Hektar groß und liegt in Warder – mitten im Herzen des Landes. Noch in diesem Jahr werden dort Bäume eingepflanzt. Auch du kannst bei der Entstehung neuer Wälder unterstützen, indem du dich für die EnergieNatur-Tarife der Stadtwerke Kiel entscheidest. Denn pro verbrauchte Kilowattstunde „StromNatur“ fließen 0,6 Cent und pro Kilowattstunde „GasNatur“ 0,1 Cent direkt in den Umweltfonds. So kannst du ganz einfach von zu Hause dabei helfen, dass Schleswig-Holstein wieder mehr Wälder bekommt.*

Wie so ein neuer Wald überhaupt entsteht, zeige ich euch in einem Video.

*Werbung: Das Projekt „Neue Wälder für SH“ ist eine bezahlte Kooperation mit den Stadtwerken Kiel

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