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Schleswig-Holstein

Herbstmarkt in Molfsee: Zwischen Reetdächern und Waffelduft

Der Duft von frisch gebackenen Waffeln liegt in der Luft. Irgendwo wird Zimt darübergestreut, ein paar Meter weiter dampft heißer Kaffee aus den Bechern – mit Pumpkin Spice natürlich, wir sind schließlich auf einem Herbstmarkt. Die Sonne scheint durch die bunt verfärbten Blätter, unter den Schuhen raschelt das Laub und zwischen den alten Häusern des Freilichtmuseums Molfsee stehen kleine Buden und Stände. Zwischendurch spaziert ein Huhn völlig unbeeindruckt vom Trubel über den Weg.

Gilmore Girls Vibes und Herbstgefühle

Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein absolutes Herbstkind. Gilmore Girls schauen, Pilze sammeln, durch das Laub laufen und sich danach wieder muckelig zu Hause zurückziehen – das ist genau meine Jahreszeit. Ich mag diese klare Luft, das besondere Licht und die Farben. Und auch dieses Gefühl, dass sich das Leben langsam wieder ein bisschen mehr nach drinnen verlagert.

Der Herbstmarkt im Freilichtmuseum Molfsee passt da ziemlich gut ins Programm. Nicht nur wegen Kürbissen, Waffeln und warmen Getränken, sondern vor allem wegen des Ortes, an dem er stattfindet.

Herbstmarkt im Freilichtmuseum Molfsee

Denn für den Markt wird hier nicht einfach eine Veranstaltungsfläche mit Buden bestückt. Die Stände verteilen sich über das weitläufige Museumsgelände, zwischen alten Bauernhäusern, Katen, Scheunen, Gärten und Wiesen. Das Freilichtmuseum zeigt, wie die Menschen in Schleswig-Holstein früher gelebt und gearbeitet haben. Historische Gebäude aus unterschiedlichen Regionen des Landes wurden hier wieder aufgebaut und eingerichtet. Beim Herbstmarkt werden sie ganz selbstverständlich Teil des Rundgangs.

Mal führt der Weg durch eine alte Scheune, mal an einem reetgedeckten Bauernhaus vorbei, dann wieder über eine Wiese zum nächsten Stand. Gerade dadurch entzerrt sich der Markt. Selbst wenn viel los ist, gibt es zwischendurch immer wieder Ecken, in denen man stehen bleiben und sich umschauen kann.

Und zu schauen gibt es einiges. Keramik, handgemachter Schmuck, bedruckte Postkarten, Textilien, Holzarbeiten, Dekoration für Haus und Garten und immer wieder kleinere Labels und Manufakturen. Vieles entsteht in Handarbeit – und häufig stehen genau diejenigen hinter dem Verkaufstisch, die die Stücke auch hergestellt haben.

Die Winkelscheune gehört beim Bummeln zu meinen liebsten Orten. Hier reihen sich viele kreative Ausstellerinnen und Aussteller aneinander. Man kann Dinge in die Hand nehmen, Materialien genauer anschauen und mit den Menschen ins Gespräch kommen, die hinter den Produkten stehen. Woher kommt die Idee? Wie entsteht ein Stück? Wie lange dauert es eigentlich, bis aus einem Klumpen Ton eine fertige Tasse wird?

Das macht für mich einen Unterschied zu einem klassischen Einkaufsbummel. Hier geht es weniger darum, möglichst schnell etwas von einer Liste abzuhaken. Man lässt sich treiben, entdeckt einen Stand, den man eigentlich gar nicht gesucht hat, bleibt hängen – und geht am Ende vielleicht doch mit einer neuen Tasse nach Hause. Obwohl man sich vorher selbstverständlich vorgenommen hatte, wirklich nur zu gucken.

Ein Markt, der zu seinem Ort passt

Interessant ist dabei auch die Verbindung zwischen Markt und Museum. Denn Handwerk gehört hier nicht nur für ein Wochenende zum Programm. Das Freilichtmuseum erzählt vom früheren Alltag in Schleswig-Holstein und damit auch davon, wie Lebensmittel hergestellt, Dinge repariert und Gebrauchsgegenstände gefertigt wurden. Vieles, was heute unter Begriffen wie „handgemacht“, „regional“ oder „kleine Manufaktur“ wieder gefragt ist, war früher schlicht Teil des täglichen Lebens.

Beim Herbstmarkt treffen diese beiden Welten aufeinander. In den historischen Gebäuden lässt sich entdecken, wie Menschen früher gewohnt und gearbeitet haben; wenige Meter weiter verkaufen heutige Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker ihre Produkte. Das macht den Markt für mich spannender als eine reine Ansammlung schöner Stände.

Und dann ist da natürlich das Essen. Zwischen Keramik und Kunsthandwerk duftet es nach Waffeln, Falafel und Rübenmus. Warme Getränke wandern von Hand zu Hand und spätestens am Nachmittag stellt sich die entscheidende Frage: noch etwas Süßes oder doch lieber herzhaft? Wer den Marktbesuch nicht durchplant, sondern sich Zeit nimmt, kann hier problemlos ein paar Stunden verbringen.

Zwischendurch lohnt es sich, die Stände auch einmal Stände sein zu lassen und einen Abstecher über das Museumsgelände zu machen. Ein paar Hühner laufen frei über die Wege, irgendwo stehen die Esel und beobachten das Treiben mit einer Gelassenheit, die man sich an einem gut besuchten Markttag durchaus zum Vorbild nehmen könnte. Hinter den Häusern liegen Gärten, auf den Wiesen färben sich die Bäume und aus dem Trubel wird plötzlich wieder ein Museumsbesuch.

Vielleicht ist genau diese Mischung das Schönste am Herbstmarkt in Molfsee. Er funktioniert nicht nur, weil der Herbst eine ziemlich gute Kulisse liefert. Sondern weil der Ort selbst etwas mitbringt: alte Häuser und Geschichten, Handwerk, Landwirtschaft und den Blick darauf, wie Menschen in Schleswig-Holstein einmal gelebt haben. Dazu kommen die Ausstellerinnen und Aussteller von heute, gutes Essen und genügend Zeit, um nicht einfach nur von Stand zu Stand zu laufen.

Und ja: Wenn vor einem alten Reetdach Kürbisse liegen, das Laub über den Weg weht und ein Huhn durchs Bild spaziert, sieht das ziemlich nach Bilderbuchherbst aus. Aber manchmal muss man sich gegen ein Klischee auch einfach nicht wehren.

Adresse: Hamburger Landstraße 97, 24113 Molfsee

Mehr Informationen: freilichtmuseum-sh.de